
Ich bin 73 und fühle mich wie 50

Manchmal sitze ich still da, schaue auf meine Hände und sehe die Spuren meines Lebens. Linien, Erfahrungen, gelebte Jahre. 73. Eine Zahl, die für viele nach Abschied klingt. Nach Rückzug. Nach "es war einmal".
Und dann stehe ich auf, bewege mich, atme tief ein und spüre etwas ganz anderes: Leben. Energie. Neugier.
In mir fühlt es sich nicht nach 73 an. Es fühlt sich nach etwa 50 an. Wach. Klar. Beweglich. Noch lange nicht fertig.
Es gab Zeiten, da fühlte ich mich älter als heute
Ich war nicht immer so verbunden mit mir. Es gab Jahre, in denen ich müde war. In denen ich funktioniert habe, statt zu fühlen. In denen ich dachte, ich müsse stark sein, leisten, durchhalten.
Und manchmal fühlte ich mich damals älter als heute, obwohl ich jünger war.
Erst mit der Zeit habe ich begonnen, wirklich hinzuhören. Auf meinen Körper. Auf meine innere Stimme. Auf das leise Flüstern meiner Seele, das immer wusste, was mir guttut.
Der Moment, in dem sich etwas veränderte
Es war kein großer Knall. Kein dramatischer Neubeginn. Es war eher ein langsames Erwachen. Ich habe angefangen, mich wieder zu bewegen, nicht, um jung zu wirken, sondern um mich lebendig zu fühlen.
Jeder Schritt, jede Bewegung war wie ein Versprechen an mich selbst:
Ich bin noch da. Ich darf mich spüren. Ich darf wachsen, auch jetzt noch.
Mit jedem Jahr wurde ich ehrlicher. Weicher. Klarer. Und paradoxerweise auch stärker.
Was Alter für mich heute bedeutet
Alter ist für mich kein Verfall. Es ist ein Abschälen von Masken. Ich habe aufgehört, Rollen zu spielen. Ich habe gelernt, Nein zu sagen. Ich habe gelernt, mich selbst ernst zu nehmen.
Heute weiß ich:
Ich muss niemandem mehr gefallen.
Ich darf meinen Weg gehen.
Ich darf mich jeden Tag neu entdecken.
Diese Freiheit fühlt sich jünger an als alles, was ich früher kannte.
Die leise Kraft der gelebten Jahre
Ich habe geliebt. Ich habe verloren. Ich habe neu begonnen. Mehr als einmal. Und jede Erfahrung hat mich tiefer gemacht, nicht schwerer.
Meine Jahre haben mir kein Ende gebracht. Sie haben mir Tiefe geschenkt. Gelassenheit. Und ein Vertrauen in mich selbst, das ich früher nie hatte.
Ich spüre heute viel deutlicher, was mir Energie gibt und was sie mir nimmt. Ich wähle bewusster. Ich lebe bewusster. Und genau das lässt mich innerlich jung bleiben.
Warum ich mich wie 50 fühle
Weil ich nicht aufgehört habe zu fühlen.
Weil ich mich bewege.
Weil ich neugierig bleibe.
Weil ich mir erlaube zu lachen, auch über mich selbst.
Und weil ich jeden Tag ein kleines Stück Leben bewusst annehme.
Ich habe verstanden: Jugend ist kein Alter. Jugend ist ein Zustand des Herzens.
Mein leiser, ehrlicher Schluss
Ja, ich bin 73. Und ich trage jedes Jahr mit Würde. Aber ich lasse mir von keiner Zahl vorschreiben, wie lebendig ich sein darf.
Vielleicht ist das das wahre Geschenk des Älterwerdens: nicht jünger werden zu wollen, sondern echter, freier und näher bei sich selbst!
