
Der Schmerz aus der Vergangenheit
Wenn man mich früher fragte: "Wie geht es dir?", dann sagte ich fast immer: "Es geht mir gut."
Aber tief in mir wusste ich: Das stimmte nicht.
Es war nicht die ganze Wahrheit. Denn trotz meiner Arbeit mit MaChakren, trotz meiner inneren Suche und trotz all der Wege, die ich bereits gegangen war, ging es mir oft nicht gut.
Tag für Tag trug ich einen Schmerz in mir, der aus der Vergangenheit kam. Einen Schmerz, der mein Leben geprägt und verändert hatte. Er brachte Leid, Wut, Hass, Unruhe und Erschöpfung mit sich, aber auf seltsame Weise auch Erkenntnis, Tiefe und manchmal sogar Freude, weil er mich zwang, mich selbst immer wieder neu zu suchen.
Es war ein unheimlicher Schmerz. Einer, der nicht einfach nur in meiner Erinnerung lebte, sondern in meinem Körper. Wenn er in mir aufstieg, erschütterte er mich. Er raubte mir Kraft, Lebensfreude und Energie. Er ließ meine Gelenke schmerzen, meinen Körper anschwellen und meine Organe schwer werden, als würden sie mit mir weinen.
Es war ein heißer Schmerz. Einer, der mich aus dem Hier und Jetzt riss und mich wieder zurückwarf in eine Zeit, die längst vergangen war und doch noch immer in mir weiterlebte.
Manchmal genügte ein einziger kleiner Gedanke. Ein Wort. Eine Erinnerung. Ein Gefühl.
Und plötzlich war er wieder da.
Dann kamen Tränen. Traurigkeit. Enge. Schwere. Und dieses Gefühl, als würde mir mein eigener glücklicher Weg wieder genommen.
Ich habe oft versucht, mich diesem Schmerz zu stellen. Ich habe versucht, ihn anzunehmen, ihn zu verstehen, ihn zu verwandeln. Aber er blieb. Er ruhte tief in meinem Körper und bestimmte mehr von meinem Leben, als ich lange wahrhaben wollte.
Meine Familie und die Menschen um mich herum konnten ihn nicht sehen. Sie konnten nicht fühlen, was in mir geschah, wenn dieser alte Schmerz wieder durch meinen Körper zog. Sie sahen vielleicht nur, dass ich müde war, stiller wurde oder mich zurückzog. Aber sie konnten nicht sehen, wie sehr er mir meine Energie nahm, meine Lebensfreude, meinen Schlaf und manchmal sogar meine innere Zuversicht.
Am nächsten Morgen wachte ich dann oft traurig auf. Nicht wirklich im neuen Tag angekommen, sondern noch immer gefangen in den Gedanken der Vergangenheit. Grübelnd, erschöpft und innerlich schwer ging ich weiter in meinen Alltag.
Besonders in Zeiten von Stress meldete sich dieser Schmerz sehr deutlich. Dann legte er sich wie eine Welle über meine Psyche. Er beeinflusste meine Schilddrüse, meinen Magen, mein Herz. Er zog sich in meinen Hals, nahm mir manchmal die Stimme und die Luft zum Atmen.
Das Schlimmste war: Es gab kein einfaches Mittel dagegen.
Ich konnte diesen Schmerz nicht mit einem kleinen Pillchen wegschlucken. Und tief in mir wusste ich auch, dass das nicht mein Weg gewesen wäre.
Also blieb nur ein einziger Weg. Der Weg zurück zu mir selbst.
Ich musste noch einmal hinschauen. Ich musste meiner Vergangenheit begegnen. Nicht, um in ihr stecken zu bleiben, sondern um mich endlich aus ihr zu lösen.
Ich musste aufräumen in mir. Ich musste loslassen, was mich so lange festgehalten hatte.
Und ich musste begreifen: Heilung beginnt nicht dort, wo wir den Schmerz verdrängen. Heilung beginnt dort, wo wir bereit sind, ihm ehrlich zu begegnen.
Und so begann mein steiler Weg wieder zurück zu mir.
Im Juni 2024 holte mich ein alter Schmerz aus der Vergangenheit mit voller Kraft ein und brachte meine Gesundheit völlig aus dem Gleichgewicht. Von einem Tag auf den anderen geriet mein Leben aus der Bahn und ich spürte, dass eine tiefgreifende Veränderung notwendig war.
Ich war müde geworden, antriebslos und innerlich leer. Sport, Bewegung und all das, was mir früher wichtig gewesen war, hatten keinen Platz mehr in meinem Alltag. Stattdessen saß ich viel herum, grübelte, verlor mich in Gedanken und belastete meine Psyche immer mehr. Auch meine Ernährung war längst nicht mehr so, wie ich sie eigentlich für richtig hielt.
Unmerklich hatte ich mich mit einem Zustand abgefunden, der nicht mehr zu mir passte. Meine Werte, meine Disziplin, meine positive Einstellung – all das war in den Hintergrund geraten. Ich war nicht mehr die Margret, die ich einmal gewesen war.
Der Wendepunkt kam an einem Wochenende, als wir in den Harz nach St. Andreasberg fuhren, in meine alte Heimat. Ich wollte alte Bekannte sehen und Orte besuchen, die mich früher begleitet hatten. Dort beschloss ich, eine Verwandte zu besuchen, die etwa einen Kilometer oberhalb unseres Wohnmobilstellplatzes wohnte. Früher war dieser Weg für mich selbstverständlich gewesen, ich war ihn oft joggend hinaufgelaufen.
Doch an diesem Tag wurde genau dieser Weg zu einem Schock. Schon nach wenigen Metern musste ich stehen bleiben, um Luft zu bekommen. Alle zehn Meter blieb ich erneut stehen. Mein Mann war entsetzt, und auch ich konnte nicht glauben, wie schwach ich geworden war. Gegen meinen Willen machte er für die folgende Woche einen Arzttermin aus.
Schon der Weg die Treppe zur Praxis hinauf wurde zur Qual. Ich wusste, dass ich etwas zugenommen hatte, aber das konnte nicht die ganze Ursache sein. Nach einem kurzen Gespräch wurde ich sofort zum EKG geschickt. Als ich die Auswertung sah, bekam ich ein ungutes Gefühl. Kurz darauf wurde mir mitgeteilt, dass starke Herzrhythmusstörungen vorlägen und ich umgehend in eine Herzklinik eingewiesen werden sollte, um eine invasive Koronardiagnostik durchführen zu lassen.
Dieser Moment traf mich tief. Ich musste weinen, doch genau dieses Weinen brachte auch etwas zurück, das ich verloren hatte – die Besinnung auf mich selbst. Auf meine Werte. Auf mein Leben.
Zu Hause stellte ich mich vor den Spiegel und sah mich lange an.
Ich fragte mich:
Wo sind deine Ideale geblieben? Wo ist dein Weg? Wo ist das, was du immer gelebt hast?
Ich wurde wütend auf mich selbst, so sehr, dass ich laut wurde und meinen ganzen Frust herausließ. Mein Hund Fynn zog sich erschrocken in die Ecke zurück. Doch als mein Mann nach Hause kam, fing ich mich wieder. Er nahm mich in den Arm und sagte ruhig, dass wir das gemeinsam schaffen würden. Am nächsten Tag machte er einen Termin im Herzzentrum München.
Wir fuhren an den Tegernsee, wo unsere Tochter lebt, und sie bestand darauf, mich zu begleiten. Das tat mir gut, denn ich wollte meinen Weg gehen, aber nicht bevormundet werden.
In der Klinik begann eine lange Reihe von Untersuchungen. EKG, Ultraschall, Belastungstest, Doppler, Blutwerte, Schilddrüsenuntersuchung. Ich lief von Station zu Station, wartete, klopfte an Türen, setzte mich zwischen fremde Menschen und fühlte mich immer weniger als Patient, sondern mehr als Beobachter eines Systems, das nicht zu mir passte.
Beim Herzultraschall sah ich mein eigenes Herz schlagen. Stark, gleichmäßig, ohne Auffälligkeiten. Auch beim Belastungs-EKG zeigte sich, dass mein Herz leistungsfähig war. Die Gefäße waren frei.
Am Ende blieb eine Diagnose an der Schilddrüse mit veränderten Werten, und sofort wurden Medikamente, weitere Eingriffe und sogar Radiojodtherapie in den Raum gestellt.
In diesem Moment wusste ich innerlich ganz klar: Diesen Weg gehe ich nicht.
Ich ging zurück auf mein Zimmer, zog mich an und sagte zu meiner Tochter, dass wir nach Hause fahren. Ich hatte genug gehört. Ich hatte genug gesehen. Ich wusste, dass ich etwas ändern musste, aber nicht so.
Auf dem Rückweg an den Tegernsee wurde ich ruhig. Sehr ruhig. Und in dieser Ruhe traf ich eine Entscheidung.
Ab jetzt kümmere ich mich wieder selbst um mich, um meinen Körper, um meine Werte um meine Gesundheit.
Zu Hause angekommen legte ich die verschriebenen Medikamente zur Seite. Ich wollte zuerst meinen eigenen Weg gehen. Nicht aus Trotz, sondern aus Überzeugung. Ich begann wieder, mich mit Ernährung, Bewegung, Atmung, Energiearbeit und meiner inneren Einstellung zu beschäftigen. Schritt für Schritt räumte ich mein Leben auf, innerlich und äußerlich.
Mein Sohn erinnerte mich in einem Gespräch daran, wer ich einmal gewesen war. Das traf mich, aber es war genau das, was ich hören musste. Von diesem Moment an stellte ich mein Leben konsequent um.
Ich übernahm wieder die Verantwortung für mich selbst. Ich ließ alte Gewohnheiten los. Ich hörte wieder auf meinen Körper.
Diese Zeit war nicht leicht, aber sie war notwendig.
Es war ein neuer Weg, ein steiniger Weg, aber es war mein Weg.
Zwischen Ende Juni und November 2024 veränderte sich mein Körper deutlich. Ich nahm fast einundzwanzig Kilogramm ab, fühlte mich wieder beweglich, klar und kraftvoll. Meine Werte verbesserten sich, meine Energie kam zurück, und ich spürte, dass ich wieder in meinem Gleichgewicht war.
Ich wurde wieder die Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Die Verantwortung übernimmt. Die nach vorne schaut.
Meine Familie ist stolz auf mich, und meine Enkel haben ihre fitte, lebensfrohe Omi wieder.
Dieser Abschnitt meines Lebens hat mir gezeigt, dass Heilung oft dort beginnt, wo man gezwungen ist, ehrlich zu sich selbst zu sein.
Und dass der Weg zurück immer über einen selbst führt.
